Zu großer Respekt

Von Jürgen Griese, Kieler Nachrichten, 01.09.2015

TSV Altenholz findet beim 1:2 gegen Eutin 08 erst spät ins Spiel

Erstmals in dieser Saison musste sich Fußball-SH-Ligist TSV Altenholz vor eigenem Publikum geschlagen geben: Knapp mit 2:1 (1:0) behielt Meisterschaftsanwärter Eutin 08 im Stadion an der Klausdorfer Straße die Oberhand. Obwohl nach schwachem Start am Ende für seine Elf bei etwas Glück auch ein Remis möglich gewesen wäre, war TSV-Trainer Ulf Ciechowski objektiv genug, den Gästesieg als verdient zu bezeichnen.

„Wir hätten natürlich gern etwas mitgenommen aus diesem Spiel, haben aber erst Mitte der ersten Halbzeit Zugriff auf die Partie bekommen“, räumte er ein. Wie schon beim 3:4 gegen den SV Eichede hatten die Platzherren zu lange gebraucht, um den Respekt vor ihrem Gast abzulegen. Der hatte dies zu nutzen gewusst, vor allem über den von Julian Langnau nicht zu haltenden Kevin Hübner auf der linken Seite einen Angriff nach dem anderen inszeniert und war früh durch Sönke Meyer in Führung gegangen (13.).

Dass es bis zur Pause nicht häufiger im Altenholzer Kasten einschlug, war einem guten Hüsnü Özdemir zwischen den Pfosten zu verdanken. „Wir haben zwar nichts zugelassen, es andererseits aber versäumt, das 2:0 nachzulegen“, haderte Gästetrainer „Mecki“ Brunner beim Gang in die Kabine. Den trat sein Team letztlich nur deshalb mit einer knappen Führung an, weil Schiri Lübker ein Foul von Florian Sax am Altenholzer Pierre-Didier Webessie (39.) ungeahndet gelassen hatte.

Nachdem sich die bei Standardsituationen häufig unsichere Altenholzer Abwehr im Anschluss an einen Eckball durch Philip Nielsen (54.) das 0:2 eingefangen hatte, ließen die Eutiner plötzlich nach. Auch, weil der seit der 34. Minute auf Hübner angesetzte Jan Patzel diesem einiges von seiner Wirkung nahm. „Teilweise waren wir zu selbstgefällig, teilweise mussten wir unseren personellen Problemen Tribut zollen“, begründete Brunner das Nachlassen seiner Elf, das die Platzherren im Gegenzug stärker machte. Und als der eingewechselte Christopher Wurr nach Vorarbeit von Jakob Urbat und Kevin Link per Kopf aus rund 14 Metern genau in den Winkel des Eutiner Kastens getroffen hatte (71.), war plötzlich alles offen. „Danach haben meine Jungs allerdings gesehen, wie clever ein Vorsprung nach Haus gebracht wird“, lobte Ciechowski später sogar die Eutiner, die nichts mehr hatten anbrennen lassen.

Unschöne Randnotiz: Als ein Eutiner Spieler Mitte der zweiten Halbzeit nach einem Foul kurz am Boden liegenblieb, wurde er hierfür unter anderem lautstark als „Schauspieler“, „A….loch“ und – viel schlimmer noch – als „Flüchtling“ bezeichnet. Erst eine Stunde zuvor hatte TSV-Stadionsprecher Jan Löhrke auf ein integratives Fußballspiel zwischen Flüchtlingen und Mitgliedern des TSV Altenholz hingewiesen….